… wie bereits angekündigt, kommt heute die Zusammenfassung vom letzten Kamingespräch vom 12. November mit dem Thema “Der Mensch, Alien in mir?“. (Impressionen vom Abend, hier)
Den Text hat wie beim Letzten mal wieder Herr PD Dr. Reza Hajatpour verfasst, für das ich ihm sehr dankbar bin:
„Spricht man vom Guten oder Bösen, so spricht man konkret von einem Tatbestand, dessen tiefste Qualität wir in Wirklichkeit nicht kennen.“ (C.G. Jung)
Woher kommt das Böse? Eine Frage, die die Menschen seit jeher beschäftigt. Dennoch ist es ihnen bis heute nicht gelungen, eine allgemeingültige Definition des Bösen zu geben, die von allen Menschen aus unterschiedlichen Religionen, Kulturen und Weltanschauungen ohne Widerstand anerkannt wird. Es zweifelt niemand daran, dass das Böse wie das Gute, wenn auch nicht in der realen Außenwelt, aber immer noch im menschlichen Bewusstsein vorhanden ist. Beide sind in unserem Alltag gegenwärtig und bestimmen die Postulate unseres Handelns und unserer moralischen Wertvorstellungen. Jeder Mensch, auch derjenige, der wegen seiner Taten getadelt wird, findet rationale, notwendige und rechtfertigende Gründe für seine Handlungen. Aber die persönliche Empfindung bleibt oft unangetastet.
Ein Mensch, der Schmerz, Unglück, Krieg, Unrecht oder Unterdrückung erlebt, ist genötigt, die Welt in Gut und Böse zu teilen.
Beim Kamingespräch hat der Teilnehmerkreis versucht, Erklärungsmodelle zu finden, um das Böse zu verorten. Wann sprechen wir vom Bösen bzw. von Bosheiten? Die theologischen und biologischen Erklärungsmodelle erwiesen sich als einseitig und dogmatisch. Auch die Erklärung aus der Naturzustandslehre, die menschliche Natur alleine trage die Verantwortung für das Böse und Gute, konnte nicht überzeugen.
Der Mensch ist weder gut noch böse. Aber er hat einen Hang zum Guten und Bösen und dies findet in seiner moralischen Deutung und seelischen Empfindung Ausdruck. Beides gehört zu den menschlichen Erfahrungen und Empfindungen. Das Selbstbild des Menschen ist deshalb geprägt von der Vorstellung, bei sich die Gründe für das Gute und Böse zu suchen.
Der Ehrengast Torsten Wingenfelder schilderte das Gute und Böse als zwei Lebenskräfte des Menschen. Das Böse sei ein Ausdruck dafür, wenn der Mensch aus dem Gleichgewicht gerät.
Dieser Verlust des Gleichgewichtes, in dem das Böse geboren wird und durch menschliche Handlungen verstärkt wird, scheint eine uralte Erfahrung zu sein. Die Erfahrungen aus der menschlichen Geschichte heraus haben gezeigt, dass immer an der Stelle, an der dem Menschen das Gemeinschaftsgefühl fehlt und der Sinn für das Miteinander verloren geht, Voraussetzungen für Unglück und Übel unter den Menschen geschaffen werden. Denn böse Gedanken und Taten wie Rassenhass, Krieg, Missachtung der Menschenrechte, Missbrauch Anderer und Verachtung und Ausschluß des Nächsten gehen von einem Gefühl des Gegeneinanderseins aus. Das Böse ist eine Erscheinung der Eroberungs- und Machtsucht, ein Ausdruck des negativen Gefühls, ein Akt des Gegeneinanderseins und des Fehlens des Respekts füreinander.
Zusammenfassung von PD Dr. Reza Hajatpour
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